Inklusion: Auch die Stadt Dorsten hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht

Presseinformation vom 15.10.2013

Noch in dieser Woche soll im NRW-Landtag ein neues Schulgesetz verabschiedet werden, mit dem die Inklusion, das gemeinsame Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder, gesetzlich geregelt wird.

"Vom kommenden Schuljahr an können Kinder nicht mehr gegen den Willen ihrer Eltern an Förderschulen verwiesen werden" erklärt Michael Baumeister von der Elterninitiative Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen. "Die Regelschule wird der Normalfall. Das haben Eltern behinderter Kinder immer gefordert. Auch in Zukunft können Eltern aber eine Förderschule für ihr Kind wählen".

Wirklich zufrieden mit dem neuen Gesetz kann seiner Meinung nach niemand sein. Wichtige Fragen, vor allem zur Ausstattung mit Fachkräften an inklusiven Schulen, seien noch völlig offen.

Katastrophen-Szenarien hält Michael Baumeister allerdings für übertrieben. "Da wurde in den letzten Monaten von kommunalen Spitzenverbänden und von einigen Lehrerverbänden viel getan, um Ängste zu schüren."

Den schwarzen Peter sieht Baumeister nicht allein bei der Landesregierung. Bisher habe die Stadt Dorsten sich auf die neue Situation überhaupt noch nicht vorbereitet, obwohl seit mindestens drei Jahren klar ist, dass die Inklusion kommen wird. So sei es nicht hinnehmbar, dass bis heute nicht einmal eine Prognose über die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf vorliegt, die an Dorstener Schulen in den kommenden Jahren erwartet werden. Auch eine Aufstellung darüber, welche Schulen bereits jetzt barrierefrei sind und welchen Schulen Vorerfahrungen mit speziellen Behinderungen haben, gebe es bisher nicht.

Der Arbeitskreis Inklusion, der auf Initiative von Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen in Dorsten entstanden ist, fordert seit langem eine solche Bestandsaufnahme und einen Inklusionsplan für die Stadt.

Anders als von vielen Lehrern und Eltern befürchtet, ist die Stadt Dorsten nicht gezwungen, bei der Inklusion mit allen Schulen auf einmal anzufangen. Das Gesetz sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, Schwerpunktschulen für Inklusion zu schaffen.

Ein schrittweises Vorgehen könnte auch in Dorsten sinnvoll sein. An mehreren Dorstener Schulen gibt es bereits langjährige Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder.

"Jetzt müssen weitere Schulen hinzu kommen." sagt Michael Baumeister. "Dazu ist ein genaue Planung auch für die kommenden Jahre dringend erforderlich."