Inklusion ist nicht nur eine Möglichkeit

Presseinformation vom 16.02.2011

Das klare Bekenntnis von Bürgermeister Lütkenhorst zum Ziel eines inklusiven Schulsystems haben Eltern behinderter Kinder bei der städtischen Veranstaltung am 10.02. aufmerksam zur Kenntnis genommen.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass dieses Ziel jetzt zerredet und die Rechte unserer Kinder wieder relativiert werden." sagt Michael Baumeister von der Elterninitiative Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen. "Aus der UN-Konvention ergibt sich eindeutig das Recht behinderter Kinder auf diskriminierungsfreien Zugang zur inklusiven Schule und angemessene Vorkehrungen. Die Vertragsstaaten sind verpflichtet, Kindern mit Behinderungen den Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu ermöglichen. Das ist mehr als nur eine Möglichkeit. Inklusion ist ein Menschenrecht."

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist in Deutschland seit fast 2 Jahren geltendes Recht. Der Landtag NRW hat sich im Dezember 2010 mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen klar zur inklusiven Schule bekannt. Die UN-Konvention richtet sich ausdrücklich an alle staatlichen Ebenen. Neben den Ländern sind besonders auch die Kommunen in der Pflicht.

Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen setzt sich nachdrücklich für eine schnelle Umsetzung der Inklusion und gegen die Zuweisung von Kinder in Förderschulen gegen den Willen ihrer Eltern ein.

Wichtig ist nach Ansicht der Eltern, dass in Dorsten der Umbau des Schulsystems in einem planvollen Prozess vorangebracht wird.

"Niemandem ist geholfen, wenn Kinder mit Behinderungen einfach so in unvorbereitete Regelschulen geschickt werden." sagt Klaus Stratmann-Nienhoff von der Elterninitiative. "Es muss jetzt schon klar sein, welche Schule im kommenden Jahr und welche in 3 Jahren mit der Inklusion beginnt. Dann können sich die Schulen darauf einstellen. Es muss aber auch klar sein, das Inklusion Aufgabe aller Schulen ist. Dazu muss die Stadt so bald wie möglich einen Inklusionsplan aufstellen. Lehrer brauchen entsprechende Fortbildungen. Genügend Personal und Mittel müssen in den Regelschulen zur Verfügung stehen. Inklusion darf kein Sparmodell werden", findet der Vater, der selbst Realschullehrer ist.

Die UN-Konvention schreibt zwar nicht vor, dass Förderschulen geschlossen werden müssen. Anders als bei der inklusiven Schule schreibt die UN-Konvention aber auch nicht vor, dass es Förderschulen geben muss. "Die Stadt muss sich schon ernsthaft fragen, ob sie dauerhaft beides, Inklusion und Förderschulen, finanzieren kann", meint Michael Baumeister. "Die Gefahr ist groß, dass sonst in beiden Bereichen die Ressourcen nicht ausreichen"

Ein anderer Weg könnte die Öffnung von Förderschulen für Regelkinder sein. "Es gibt erfolgreiche Beispiele dass Förderschulen selbst zu inklusiven Schulen werden. Ob das eine Möglichkeit für Dorsten sein könnte, muss der Schulausschuss entscheiden", meint Michael Baumeister. "Wichtig ist, dass der Inklusionsprozess transparent verläuft und von möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt wird. Auch Eltern von Kindern mit Behinderung müssen beteiligt werden. Ein kommunaler Arbeitskreis für Inklusion könnte das sicherstellen."