Vortrag zur Inklusion von Prof. Hans Wocken in Dorsten am 12.07.2010

Presseinformation vom 30.06.2010

"Inklusion jetzt! Wie alle Kinder vom gemeinsamen lernen profitieren können."

Durch die UN-Behindertenrechtskonvention, die seit März 2009 in Deutschland geltendes Recht ist, hat jedes Kind den Anspruch auf Zugang zu einer inklusiven Schule. Zur Zeit besuchen Kinder mit Behinderung in der Regel besondere Förderschulen. Nur wenige Kinder werden in die Regelschule integriert. Im Gegensatz dazu würden zu einer inklusiven Schule alle Kinder mit Behinderungen von Anfang an dazugehören.

Der Begriff Inklusion war bis vor wenigen Monaten in Deutschland noch weitgehend unbekannt.
"Noch im März musste in einer Sitzung des Dorstener Schulausschusses ein Ausschussmitglied sein Internethandy bemühen, um den Begriff nach zuschlagen," erinnert sich Michael Baumeister von der Elterninitiative gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen.

Inzwischen ist das Thema in Dorsten aber buchstäblich in aller Munde. Bei der letzten Sitzung des Schulausschusses wurde von den Vertretern fast aller Parteien auf die Inklusion hingewiesen. Viele Ausschussmitglieder verbinden damit die Hoffnung, anstehende Schulschließungen in Dorsten könnten noch einmal vermieden werden.

Die Verwaltung betont, dass am Thema Inklusion in Dorsten intensiv gearbeitet werde. Allerdings will man - daran lässt Schuldezernent Gerd Baumeister keinen Zweifel - zunächst auf landesrechtliche Vorgaben warten. Bis dahin soll Inklusion nicht Gegenstand der Schulentwicklungsplanung sein.

Das sehen die Eltern der Dorstener Elterninitiative kritisch. "Dass die inklusive Schule kommt, ist sicher. Bis März 2011 muss das Land entsprechende Vorgaben machen. Niemand hindert die Stadt Dorsten, bereits jetzt aktiv zu werden", sagt Michael Baumeister.

Dorsten setzt beim gemeinsamen Lernen bisher auf das Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung, das von den Förderschulen von Ketteler Schule, Korczakschule und Astrid-Lindgren-Schule getragen wird. Schülerinnen und Schüler werden dort sowohl innerhalb des Kompetenzzentrums als auch in einem festen Netzwerk verbundenen allgemeinen Schulen gefördert.

"Das Kompetenzzentrum macht in Dorsten sicher gute Arbeit." sagt Michael Baumeister. "Bei der Inklusion geht es aber um mehr. Es ist dringend erforderlich, dass das Thema in Dorsten in einem strukturierten Prozess bearbeitet wird und dabei auch Eltern mit einbezogen werden. Dazu wären ein runder Tisch Inklusion, vor allem aber ein kommunaler Inklusionsplan wichtige Maßnahmen.
Andernfalls besteht die Gefahr, dass gemeinsames Lernen nur für die Kinder ermöglicht wird, deren Eltern sich vehement dafür einsetzen. Förderschulen könnten dann schnell zu Restschulen für Kinder aus bildungsfernen Schichten und einkommensschwachem Elternhaus werden."
Dass sie das häufig schon sind, hat der Hamburger Professor für Lernbehindertenpädagogik und Integrationspädagogik Hans Wocken in seinen Untersuchungen gezeigt. Die Forschungsergebnisse des Pädagogen belegen, dass Sonderschulen überwiegend von Kindern einkommensschwacher Familien besucht werden. Für Wocken herrscht in Sonderschulen ein anregungsarmes Klima. Seine Untersuchungen zeigen: Je länger Kinder Förderschulen besuchen, um so weniger lernen sie.

Die Dorstener Elterninitiative hat den Pädagogen für den 12.07. um 19:00 zu einem öffentlichen Vortrag ins Jüdische Museum Westfalen, Julius-Ambrunn-Straße 1 eingeladen.
Das Thema lautet "Inklusion jetzt! Wie alle Kinder vom gemeinsamen Lernen profitieren können". Der Eintritt ist frei.
Näheres unter http://www.inklusion-dorsten.de/content/inklusion-jetzt

Pressefotos zur Veranstaltung sind unter http://inklusion-dorsten.de/bilder-inklusion-jetzt-12072010 verfügbar.