Zum Vortrag von Prof. Dr. Hans Wocken am 12.07.2010

Presseinformation vom 16.07.201

Am 12. Juli fand im jüdischen Museum Westalen ein weiterer interessanter Abend zum Thema Inklusion statt, zu dem die örtliche Initiative „ Gemeinsam leben – Gemeinsam lernen“ einlud, unterstützt von der Sparkasse und dem Ortsverband der Grünen.

Nachdem 4 Wochen vorher der Jurist und frühere NRW-Kinderbeaftragte, Dr. Reinald Eichholz über die rechtliche Umsetzung der UN-Konvention referierte, konnte für diesen Abend der Hamburger Professor für Lenbehindertern- und Integrationspädagogik, Dr. Hans Wocken, gewonnen werden, der über das Thema „Wie alle Kinder vom gemeinsamen Lernen profitieren können“ referierte
Rund 100 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer harrten zunächst geduldig auf die Ankunft des Professors, die sich durch die Auswirkungen des Orkans am Montagmittag um mehr als eine Stunde verzögerte. Der ebenfalls anwesende Jurist Dr. Eichholz nutzte die Zeit, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Herr Prof. Wocken hielt einen spannenden und abwechslungsreichen Vortrag und machte deutlich, woran die Umsetzung der Inklusion in Deutschland noch hapert, und dass Deutschland im europäischen Vergleich an drittletzter Stelle steht. Wocken stellte dar, dass, eine Separierung nicht nur ein anerkanntes Menschenrecht verletzt, sondern auch aus pädagogischen Gründen nicht sinnvoll ist.

Aus Erfahrung könne unterstellt werden, dass etwa 10% der Schulkinder einen Förderbedarf in den Bereichen Sprache, Lernen und Verhalten aufweisen. Diese Kinder könnten auch jetzt schon in die Regelschule aufgenommen werden, ohne dass ein Gutachten erstellt werden müsse. Bei 4 Klassen ergäbe sich dann eine ganze Lehrerstelle für Sonderpädagogik. Wenn Kinder mit andere Behinderungen, wie z. B. Sehschwäche oder Körperbehinderung, in die Regelschule aufgenommen würden, ergäbe sich bei entsprechender Begutachtung ein noch höhere sonderpädagogischeStellenausstattung.

Prof Wocken rechnete vor, dass eine solche Umsetzung keine dauerhaften Mehrkosten verursachen würde. Nur zu Anfang würden durch die Umstellung Kosten entstehen.

Zur Zeit werden in Deutschland nur etwa 15% aller Kinder mit Behinderungen in Regeschulen unterrichtet. Prof. Wocken geht davon aus, dass bis 2020 die Marke von 80 % -erreicht werden kann. Mit einerQuote lägen wir gleichauf mit den skandinavischen Ländern. Annähernd 100% erreicht nur Italien.

Zum Abschluss wurde noch einmal deutlich gemacht, dass die neue Landesregierung das Thema Inklusion sehr ernst nimmt und die Kommunen mit allen Beteiligten unterstützen möchte.